Anselm Feuerbach • Lesbia mit dem Vogel

Anselm Feuerbach
Lesbia mit dem Vogel

um 1866

Schwarze Kreide und weiße Höhung auf bräunlichem Papier
40,5 x 31,5 cm
Links mittig monogrammiert
Verso: Weibliche Figur an südlichem Gestade

Provenienz:
Paul Cassirer, Berlin
Julius Böhler, München
Privatbesitz

Es handelt sich um eine Vorstudie zu Anselm Feuerbachs Gemälde "Lesbia mit dem Vogel" (vgl. Jürgen Ecker: Anselm Feuerbach. Leben und Werk. Kritischer Katalog der Gemälde, Ölskizzen und Ölstudien. München 1991, Nr. 448, Seite 284).

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BIOGRAFIE

Anselm Feuerbach
1829 Speyer - 1880 Venedig

Anselm Feuerbach zählt neben Arnold Böcklin und Hans von Marées zu den wichtigsten Vertretern der Deutschrömer, einer deutschsprachigen Künstlergruppe in Italien, die sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bildet.

Nach Studienaufenthalten in Düsseldorf, München und Antwerpen reist Feuerbach 1851 nach Paris, wo er als Schüler in das Atelier von Thomas Couture eintritt, dessen Monumentalgemälde ''Die Römer der Verfallszeit'' (Musée d’Orsay, Paris) seine Kunstauffassung nachhaltig prägt.

Doch erst in Italien, wohin er ab 1855 immer wieder reist, findet Feuerbach seine eigentliche künstlerische Heimat. Ein Stipendium ermöglicht ihm die Reise nach Venedig, von wo er 1856 über Florenz nach Rom kommt. Dort verkehrt er mit den Künstlern Arnold Böcklin, Reinhold Begas und Ludwig Passini sowie seinem späteren Biographen Julius Allgeyer, der ihn 1862 mit dem Kunstmäzen Graf Schack bekannt macht. Dieser erwirbt in den folgenden Jahren etliche Gemälde Feuerbachs und sichert so das finanzielle Auskommen des verschwenderisch lebenden Malers.

Das künstlerisch wie persönlich entscheidende Erlebnis in Rom ist für Feuerbach die Begegnung mit Anna Risi, genannt Nanna. 1860 wird sie sein Modell, wenig später seine Geliebte. Wie keine zweite Frau verkörpert Nanna Feuerbachs Idealvorstellung von Weiblichkeit, sie erscheint ihm als Sinnbild zeitloser Schönheit, Hoheit, Würde und klassischer Größe schlechthin. In den kommenden Jahren wird die junge Römerin zum wichtigsten Thema seiner Gemälde, in denen sie als reale Person wie auch als historische bzw. mythologische Figur erscheint (z.B. „Lucrezia Borgia“ (Städel Museum, Frankfurt am Main) oder „Iphigenie“ (Hessisches Landesmuseum, Darmstadt). Obwohl die Entwicklung von Feuerbachs eigenem charakteristischen Stil, der sich durch ein subtil gedämpftes Kolorit sowie eine monumentale Auffassung der Form auszeichnet, untrennbar mit Nanna verbunden ist, kommt es 1865 zum Bruch zwischen den beiden, woran die komplizierte und gegensätzliche Natur des Künstlers wesentlichen Anteil hat. Erst Jahre später findet er in Lucia Brunacci ein neues Modell, das ihm als meist heroische Figur für die großen Kompositionen seiner Reifezeit dient (z.B. „Medea“ (Neue Pinakothek, München)).

1872 nimmt Feuerbach eine Professur für Historienmalerei an der Wiener Akademie an, aufgrund ausbleibender künstlerischer Erfolge gibt er diese Position jedoch vier Jahre später wieder auf. 1876 siedelt er nach kurzem Aufenthalt in Deutschland nach Venedig über, wo er 1880 im Alter 50 Jahren in Einsamkeit stirbt.
Einen wesentlichen Anteil an der Anerkennung und wirtschaftlichen Absicherung Feuerbachs hat von Anbeginn seine Stiefmutter Henriette, die in der Rolle eines Agenten die geschäftlichen Interessen ihres Sohnes in der alten Heimat vertritt. Nach seinem Tod bearbeitet sie seine hinterlassenen autobiographischen Schriften und gibt sie als „Vermächtnis“ heraus. Es ist bis heute die meist verlegte deutschsprachige Künstlerbiographie, die Feuerbach postum über Jahrzehnte hinweg einen kultähnlichen Status sichert.

Feuerbach, Anselm (1829 Speyer - 1880 Venedig)
Anselm Feuerbach: Selbstbildnis, 1873, Berlin, SMPK, Alte Nationalgalerie