DODO (Dörte Clara Wolff) • Nächtlicher Abschied

DODO (Dörte Clara Wolff)
Nächtlicher Abschied

1927/28

Gouache über Bleistift auf Karton
35 x 25,5 cm
Rechts unten signiert

Literatur:
Renate Krümmer (Hg.): Dodo. Leben und Werk 1907–1998, Ostfildern 2012

Ausstellungen:
„Dodo – Leben und Werk“, Staatliche Museen zu Berlin, Kulturforum, Berlin, März-Mai 2012
Ben Uri Gallery - the London Jewish Museum of Art, London, Juni-September 2012

Preis auf Anfrage


BIOGRAFIE

DODO (Dörte Clara Wolff)
1907 Berlin - 1998 London

Von 1923 bis 1926 besucht Dörte Clara Wolff, die sich Dodo nennt, die private Kunst- und Gewerbeschule Reimann in Berlin, an der sie als freie Grafikerin ausgebildet wird. Nach anfänglicher Tätigkeit für diverse Modeblätter zählt die aus einer gutbürgerlichen jüdischen Familie stammende Künstlerin zwischen 1927 und 1929 zu den Mitarbeitern des auflagenstarken Satiremagazins ULK, für das u.a. auch Jeanne Mammen zeichnet. Die in knapp drei Jahren von ihr veröffentlichten Werke – über 60 meist ganz- oder doppelseitig publizierte Gouachen von grafischer Prägnanz und leuchtender Farbigkeit – markieren den Höhepunkt in Dodos Oeuvre.

Mit zuweilen bitterböser Ironie schildert Dodo Szenen aus dem Alltagsleben der Berliner Oberschicht, wobei das Verhältnis zwischen Mann und Frau im Mittelpunkt steht. Selbstverliebte Beaus treffen auf unterkühlte Backfische, elegante Lebemänner auf erotische Revue-Girls und nimmermüde Hagestolze auf männermordende Vamps. Als glitzernde Kulisse dienen Kaffeehäuser, Bars und Tanzlokale. Müßiggang, Flirt und Koketterie sind jedoch nur oberflächlich, die Geschlechter bleiben sich trotz aller Nähe fern. Ihre scharfe Beobachtungsgabe prädestiniert Dodo zur Chronistin der dekadent-mondänen Gesellschaft der „Goldenen Zwanziger Jahre“. Um deren Ansichten und Attitüden, die sie aus eigener Erfahrung kennt, herauszuarbeiten, bedient sie sich der Typisierung und Stilisierung. Dabei lässt sie sich einerseits von der Ästhetik der Neuen Sachlichkeit inspirieren, greift andererseits auf die Mittel der Karikatur zurück. Dodos stets nach der neuesten Mode gekleidete Protagonisten mit ihren mandelförmig geschlitzten Augen und übertrieben zugespitzten Mündern strotzen nur so vor Blasiertheit und Standesdünkel. Die selbst geschaffene Aura der Unnahbarkeit fällt jedoch auf sie zurück, ihre scheinbar sorglose Existenz wirkt am Ende eigentümlich leer und schal.

Ende 1929 bringt die Weltwirtschaftskrise Dodo um ihre Mitarbeit beim ULK. Wenig später beginnt ihr Privatleben einer emotionalen Achterbahnfahrt zwischen Euphorie und Verzweiflung zu gleichen, wobei die politisch bedingte Emigration nach England 1936 eine einschneidende Zäsur in ihrer Biografie markiert. Im Exil kann Dodo nicht mehr an die Erfolge der Berliner Jahre anknüpfen und auch ihr Werk gerät allmählich in Vergessenheit. Erst 2012 wird es wiederentdeckt und in einer Ausstellung der Staatlichen Museen zu Berlin sowie der Londoner Ben Uri Gallery, The London Jewish Museum of Art der Öffentlichkeit präsentiert.

DODO (Dörte Clara Wolff) (1907 Berlin - 1998 London)
Unbekannter Fotograf: Dodo, 1928

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