Max Klinger • Endzeitliche Landschaft

Max Klinger
Endzeitliche Landschaft

um 1878

Tuschfeder- und Pinselzeichnung auf Papier
46 x 29,5 cm
Rechts unten signiert
Rechts unten außerhalb bezeichnet „Bl. VI.“

Provenienz:
Julius Gustav Böhler, München
Privatsammlung

Max Klinger hat sich in allen Schaffensphasen als Zeichner, Maler und Grafiker mit dem Thema Landschaft auseinandergesetzt. Nur selten gibt er reale Orte wieder, vielmehr beschreiben seine imaginären Landschaftsdarstellungen seelische Zustände bzw. stellen die Frage nach dem Dasein und Schicksal des Menschen.

In Klingers zeichnerischem Frühwerk der 1870er Jahre, auf dessen Grundlage weite Teile seines späteren Oeuvres basieren, hat die Landschaft eine zentrale Stellung. Charakteristisch sind tektonisch komponierte Bildräume mit chiffrenartigen Elementen voller Symbolgehalt. Lebensbedrohliche Gefahren lauern vor allem in Werken mit Bergmotivik auf den Menschen, wofür die 1874/77 entstandenen Zeichnungen Wanderers Ende (Museum der bildenden Künste Leipzig. Inv.-Nr.: Nl.2511/6) und Der Tod in der Gebirgseinöde (Museum der bildenden Künste Leipzig. Inv.-Nr.: Nl.2534) typische Beispiele sind. Zerklüftet, leer und ausweglos erscheint die Szenerie, in der der Tod in Gestalt eines aasenden Geiers bzw. lachenden Sensenmannes wartet.

Bei der Endzeitlichen Landschaft hat Klinger auf symbolisch konnotierte Figuren verzichtet. Von erhöhtem Standpunkt aus blickt der Betrachter auf eine weite felsige Einöde, die am Horizont von einem steil aufragenden Gebirge begrenzt wird. Diesem entspringt ein sich in mäandernden Bahnen dahinziehender Fluss, welcher sich hier und dort zu kleinen Seen staut, um schließlich in eine Schlucht zu stürzen. Als Lebensader der Natur ist er kaum zu deuten, denn nur schemenhaft sind im Hintergrund einzelne Bäume zu sehen. Auch der umgestürzte Baumstamm im Vordergrund mit seinem krallenartig aufragenden Geäst wirkt wie ein unheilvolles Omen und lässt an der Lebensfeindlichkeit der Gegend keinen Zweifel.

Von monumental-düsterer Stimmung beherrscht, ist die Endzeitliche Landschaft ein charakteristisches Beispiel für Klingers frühvollendete Zeichenkunst. Wie ein Leitmotiv durchziehen vergleichbare Seelenlandschaften seine ersten grafischen Zyklen Radierte Skizzen (1879), Eva und die Zukunft (1880) sowie Intermezzi (1881), die ihm bereits in jungen Jahren zu internationalem Ruhm verhelfen. Vergleichbare Arbeiten befinden sich in wichtigen öffentlichen Sammlungen von Klingers Werk (Museum der bildenden Künste Leipzig, Kupferstich-Kabinett Dresden und Kupferstichkabinett Berlin) und sind auf dem Kunstmarkt äußerst selten.

Preis auf Anfrage


BIOGRAFIE

Max Klinger
1857 Leipzig - 1920 Großjena (Sachsen-Anhalt)

Klinger, Max (1857 Leipzig - 1920 Großjena (Sachsen-Anhalt))
Nicola Perscheid: Max Klinger, 1903

WEITERE WERKE DES KÜNSTLERS

Max Klinger
Schlafende
Preis auf Anfrage
Details
Max Klinger
Mädchen mit Castagnetten
Preis auf Anfrage
Details
Max Klinger
Kassandra
Preis auf Anfrage
Details
Max Klinger
Sitzende nackte Frau mit tanzendem Phallus
Verkauft  
Details