Johannes Götz • Der siegreiche Achilles

Johannes Götz
Der siegreiche Achilles

1910

Bronze auf Marmorsockel
Höhe (mit Sockel) 124 cm
Am Sockel mit Ritzsignatur des Künstlers sowie Stempel der Giesserei Gladenbeck / Berlin
Modell und Guss 1910

Es handelt sich um eine verkleinerte Version des vom Künstler für Kaiser Wilhelm II geschaffenen Monumentalplastik, die dieser für das von ihm von Kaiser Franz Josef erworbene Achilleion auf Korfu in Auftrag gegeben hatte. Der "Siegreiche Achilles" ersetzte einen in Marmor ausgeführten "Sterbenden Achilles" des Künstlers Ernst Herter, den die Erbauerin des Achilleion, Kaiserin Elisabeth, für selbiges erworben hatte.

Preis auf Anfrage


BIOGRAFIE

Johannes Götz
1865 Fürth - 1934 Potsdam

Nach dem Besuch der Kunstgewerbeschule in Nürnberg studiert Johannes Götz ab 1884 Bildhauerei an der Akademie der bildenden Künste in Berlin. Als Meisterschüler von Reinhold Begas, dem Schöpfer zahlreicher neobarocker Denkmäler in der Reichshauptstadt, gestaltet Götz einzelne Elemente des von seinem Lehrer entworfenen „Neptunbrunnens“. Die vor dem Berliner Stadtschloss errichtete Anlage ist ein Paradebeispiel für die pompöse Monumentalkunst der Gründerzeit und zeugt von dem hohen technischen Anspruch, den Begas an seine Studenten stellt.

1888 gelingt Götz mit dem „Balancierenden Knaben“ der Durchbruch. Die von der Berliner Nationalgalerie erworbene Bronze stellt einen nackten Jüngling dar, der auf Zehenspitzen stehend versucht, das Gleichgewicht auf einer Kugel zu halten. Das von der Kritik gelobte Werk verschafft dem aus einfachen Verhältnissen stammenden Künstler ein einjähriges Rom-Stipendium und sichert ihm als von der Gießerei Gladenbeck in Auflage hergestellter Guss zusätzliche Einnahmen.

Durch Begas wird Götz einige Jahre später Kaiser Wilhelm II vorgestellt. Dieser zeigt lebhaftes Interesse an seinem Schaffen und lässt ihm wiederholt Aufträge für Denkmäler in Berlin sowie anderen preußischen Städten zukommen. Glanzvoller Höhepunkt in Götz‘ Karriere ist die 1910 vollendete neoklassizistische Kolossalstatue „Der siegreiche Achilles“, die der Kaiser für sein privates Refugium Achilleon auf der griechischen Insel Korfu bestellt. Das auf Skizzen des Monarchen basierende Hauptwerk des Künstlers zeigt den mythologischen Helden in Prunkrüstung, den Blick in unbestimmte Ferne gerichtet, und ist ganz dem Geist der Antike verpflichtet.

Während der 30-jährigen Regentschaft Wilhelm II wandelt sich Götz‘ Formensprache von neobarockem Pathos zu klassischer Strenge, dabei stets den Vorstellungen und Bedürfnissen höfischer wie großbürgerlicher Repräsentation entsprechend. Dieser Umstand sichert ihm über lange Zeit allgemeines Ansehen und lukrative Aufträge, erweist sich nach dem Zusammenbruch des Kaiserreichs jedoch als Hindernis. Wie die Werke vieler anderer arrivierter Bildhauer der wilhelminischen Epoche werden Götz‘ Skulpturen in den folgenden Jahrzehnten politisch wie ästhetisch verdammt und fallen, sofern sie nicht im Zweiten Weltkrieg oder später demontiert bzw. zerstört werden, dem Vergessen anheim.