Olaf Gulbransson • Englands Politik

Olaf Gulbransson
Englands Politik

1912

Tusche auf Papier auf Karton
36,5 x 33 cm

Veröffentlicht:
Simplicissimus. Jahrgang 16 (1912), Heft 45, Seite 799

Text: „(Bild 1) „Wie fletscht und knurrt das dumme Biest, (Bild 2) Wenn Michel seine Ruh genießt! (Bild 3) Derweil hat sich der Bär gestärkt, (Bild 4) Bis es das dumme Luder merkt.“

Provenienz:
Nachlass Olaf Gulbransson

6.500 €


BIOGRAFIE

Olaf Gulbransson
1873 Oslo - 1958 Tegernsee

Olaf Gulbransson zeigt bereits als Kind großes zeichnerisches Talent, weshalb er mit 12 Jahren an der Königlichen Kunst- und Handwerksschule in Oslo zugelassen wird. Seit der Studienzeit arbeitet er als Karikaturist für norwegische Satirezeitschriften und macht durch Ausstellungen seiner Werke im In- und Ausland auf sich aufmerksam. 1902 lernt Gulbransson den Verleger Albert Langen kennen, der ihn als festen Mitarbeiter für sein 1896 gegründetes Satiremagazins Simplicissimus nach München holt. Von 1903 bis 1944 zählt der allgemein beliebte Norweger, der nicht zuletzt wegen seines eskimohaften Aussehens und seiner Leidenschaft für die Freikörperkultur auffällt, zu den populärsten Zeichnern der wöchentlich erscheinenden Zeitschrift.

Den Lesern des Simplicissimus wird Gulbransson schlagartig durch seine ab 1903 in loser Folge erscheinende Porträtreihe „Berühmte Zeitgenossen“ bekannt. Eindrucksvoll zeugt die 59-teilige Serie von der Treffsicherheit des Künstlers in der Beobachtung und Wiedergabe menschlicher Gestik und Mimik anhand prominenter Persönlichkeiten aus dem Kunst-, Literatur-, Musik- und Geistesleben wie Franz von Lenbach, Gerhart Hauptmann, Siegfried Wagner oder Theodor Mommsen. Die mit präzisem, geschmeidig-weichem Strich ausgeführten Federzeichnungen verzichten auf übermäßige Verzerrungen und lassen auf amüsante Weise den Charakter und das Selbstbild der Dargestellten erkennen. Nicht weniger beliebt sind Gulbranssons oft ganzseitig im Simplicissimus publizierte Karikaturen zu tagespolitischen bzw. aktuellen ethischen Fragen. Bei aller Kritik in der Sache nimmt der Künstler meist eine über den Dingen stehende, Gegensätze ausgleichende Haltung ein und schlägt damit weitaus versöhnlichere Töne an als beispielsweise der für seinen ätzenden Spott bekannte Thomas Theodor Heine. Gulbranssons ausgeprägt grafisch-lineare Bildauffassung zeichnet sich durch starke Verknappungen, ungewöhnliche Perspektiven sowie extreme Überdehnungen bzw. Verkürzungen aus, bei denen der Betrachter oft fehlende Teile hinzudenken muss. Viele seiner Karikaturen entstehen auf Anregung des mit ihm eng befreundeten und ebenfalls für den Simplicissimus arbeitenden Schriftstellers Ludwig Thoma. Dieser steuert die Textpointen bei und konzipiert mit ihm Bildergeschichten wie „Ein Münchner im Himmel“ oder Bücher wie die „Lausbubengeschichten“, die zu den Klassikern der bayerischen Literatur zählen.

Im Ersten Weltkrieg wird Gulbransson als Propagandazeichner nach Berlin berufen, wo er sich mit Max Liebermann anfreundet und unter dessen Anleitung erste Malversuche in Öl unternimmt. Während der Weimarer Republik hält sich Künstler viele Jahre in seiner alten norwegischen Heimat auf. Erst eine ihm 1929 als Nachfolger von Franz von Stuck verliehene Professur an der Münchner Akademie sowie der Erwerb des Anwesens Schererhof oberhalb des Tegernsees binden ihn dauerhaft an Bayern. Einen Rückblick auf sein Leben gibt Gulbransson in der 1934 erschienenen Autobiographie „Es war einmal“, der 1954 der Band „Und so weiter“ folgt. Seit 1966 hält das in Tegernsee errichtete Olaf Gulbransson Museum die Erinnerung an sein Leben und Werk wach.

Gulbransson, Olaf (1873 Oslo - 1958 Tegernsee)
Olaf Gulbransson: Selbstporträt mit Tuch und Zweigen auf dem Kopf, 1937, München, Bayerische Staatsgemäldesammlungen

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