Eduard Thöny • Der Schrei nach dem Kind

Eduard Thöny
Der Schrei nach dem Kind

1907

Tusche (Pinsel und Feder) und Deckweiß auf Papier
44 x 32,5 cm

Veröffentlicht:
Simplicissimus. Jahrgang 12 (1907), Heft 37, Seite 611
Text: „Wenn du nicht immer so gräßlich viel Geld in Deinem Klub verspieltest, könnten wir uns schon den Luxus eines Babys leisten.“

8.500 €


BIOGRAFIE

Eduard Thöny
1866 Brixen (Südtirol) - 1950 Holzhausen am Ammersee

Eduard Thöny wächst als Sohn südtiroler Eltern in München auf, wo er von 1886 bis 1892 Malerei an der Kunstakademie studiert. In dieser Zeit sowie in den folgenden Jahren unternimmt er mehrere Reisen nach Paris, Berlin und London, um sich mit der internationalen Illustrationskunst sowie den sozialen Milieus der Großstadt vertraut zu machen. Die dabei gewonnenen Eindrücke sind für seine künstlerische Entwicklung von nachhaltiger Bedeutung.

Bereits während des Studiums verdient Thöny seinen Lebensunterhalt vorwiegend mit Zeichnungen für illustrierte Zeitungen. Die von ihm in den Münchner Humoristischen Blättern erscheinenden Beiträge erregen die Aufmerksamkeit des Verlegers Albert Langen, der ihn 1896 als Mitarbeiter für die im selben Jahr gegründete Zeitschrift Simplicissimus engagiert. Neben Thomas Theodor Heine, Bruno Paul und Ferdinand von Reznicek zählt Thöny zu den Simplicissimus-Zeichnern der ersten Stunde und hat entscheidenden Anteil am Aufstieg des Wochenblatts zu Deutschlands führender Satirezeitschrift. Bis zu ihrer Einstellung 1944 wird sie über 3.400 Karikaturen von ihm veröffentlichen.

Thönys Domäne ist die Gesellschaftskarikatur. Ideen und Motive findet er sowohl im beschaulichen München als auch im kosmopolitischen Berlin, wobei er hier wie dort die Vertreter von Aristokratie und Proletariat, Militär und Bürgertum, Hautevolee und Bohème aus nächster Nähe beobachtet. Doch auch wenn gesellschaftlicher Dünkel, intellektuelle Beschränktheit und moralische Verwahrlosung gängige Themen seines Repertoires sind, zielt Thöny nicht auf die Verletzung der Dargestellten ab. Eher möchte er wie ein Anthropologe mit dem Zeichenstift den Menschentyp hinter dem Individuum erfassen.

Bei den Lesern des Simplicissimus erfreuen sich Thönys Beiträge auf Anhieb großer Beliebtheit. Zwischen 1899 und 1910 verstärkt der Albert Langen-Verlag diese Entwicklung durch die Publikation von fünf Alben mit mehreren Hundert Zeichnungen des Künstlers („Der Leutnant“, „Thöny-Album“, „Militär“, „Vom Kadetten zum General“ und „Der Bunte Rock“).

Aber nicht nur Motivwahl und bildnerischer Witz erklären den Erfolg von Thönys Werken, auch ihre ausgeklügelte und zugleich experimentelle Zeichentechnik. Neben Tusche und Deckweiß kommt häufig eine aufwendige Spritztechnik zur Anwendung, die den Arbeiten einen malerischen Charakter gibt. In den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg werden sie von führenden deutschen Kunsthändlern in Einzel- und Kollektivausstellungen präsentiert, etwa von den Brüdern Bruno und Paul Cassirer in Berlin sowie der Modernen Kunsthandlung von Franz Joseph Brakl und der Galerie Heinemann in München.

Thöny, Eduard (1866 Brixen (Südtirol) - 1950 Holzhausen am Ammersee)
Ernst Heilemann: Porträt Eduard Thöny, 1911, Privatbesitz

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