Albert Weisgerber • Neuestes von Serenissimus

Albert Weisgerber
Neuestes von Serenissimus

1908

Tusche (Pinsel), Bleistift und Deckweiß auf Papier
37,0 x 31,0 cm
Rechts unten signiert und datiert

Veröffentlicht:
Jugend. Jahrgang 13 (1908), Heft 21, Seite 504
Text: „Se. Durchlaucht war ein so leidenschaftlicher Jäger, daß Er, so oft in seinem Hoftheater der „Freischütz“ gegeben wurde, es sich nicht nehmen ließ, von der Hof-Loge aus die Wildsau zur Strecke zu bringen.“

Provenienz:
Galerie Joseph Fach, Frankfurt am Main
Privatsammlung, München

Preis auf Anfrage


BIOGRAFIE

Albert Weisgerber
1878 St. Ingbert - 1915 Fromelles (Frankreich)

Nach der Ausbildung zum Dekorationsmaler in Frankfurt am Main zieht Albert Weisgerber nach München, wo er ab 1894 die Kunstgewerbeschule besucht. 1897 wechselt er an die Kunstakademie und studiert zusammen mit Hans Purrmann, Wassily Kandinsky und Willi Geiger in der von Franz Stuck geleiteten Klasse. Zugang zu Schwabinger Künstler- und Intellektuellenkreisen findet Weisgerber durch die Mitarbeit an der Zeitschrift Jugend, die zwischen 1897 und 1913 über 500 seiner Zeichnungen, Aquarelle und Gemälde publiziert.

Die Jugend sichert Weisgerber nicht nur regelmäßige Einkünfte, sondern fördert auch seine künstlerische Entwicklung. 1905/1906 hält er sich mit Unterstützung des Herausgebers Dr. Georg Hirth für mehrere Monate in Paris auf, wo er sich intensiv mit den Lithografien von Henri de Toulouse-Lautrec und den Gemälden von Paul Cézanne auseinandersetzt. Daneben hat der Austausch mit den Künstlern des „Cáfe du Dome“, zu denen auch Henri Matisse zählt, nachhaltigen Einfluss auf Weisgerbers Bildsprache.

In München übersetzt Weisgerber die in Paris sowie auf Studienreisen nach Italien gesammelten Eindrücke in einen individuellen und von raschem Wandel geprägten Stil, der sowohl impressionistische als auch expressionistische Züge trägt. Dabei dienen unterschiedliche Motivgruppen als Experimentierfeld. Neben Porträts und Akten entstehen Kaffeehaus- und Cabaretszenen sowie landschaftliche, mythologische und religiöse Sujets.

Die Vermittlung von Impulsen der französischen Malerei nach Deutschland macht Weisgerber zu einem Wegbereiter der Moderne, dessen Arbeiten bald auch auf dem Kunstmarkt gefragt sind. 1911 organisieren der Galerist Franz Josef Brakl in München sowie der Kunstsalon Emil Richter in Dresden die erste Einzelausstellung seiner Werke, der 1912 weitere Präsentationen der Kunsthändler Paul Cassirer in Berlin und Ludwig Schames in Frankfurt am Main folgen.

Als Gründungsmitglied und Erster Vorsitzender der „Neuen Münchner Secession“ setzt sich Weisgerber für die Verbreitung und Akzeptanz der Kunst seiner Generation ein. Ihre erste Ausstellung, die unter anderem Werke von Max Beckmann, Paul Klee und Oskar Kokoschka zeigt, findet von Mai bis Oktober 1914 statt. Bei ihrer Schließung ist Weisgerber, der unter den modernen Künstlern zu den frühesten Opfern des Ersten Weltkriegs zählt, bereits als Soldat eingezogen.

Weisgerber, Albert (1878 St. Ingbert - 1915 Fromelles (Frankreich))
Albert Weisgerber: Selbstbildnis am Attersee, 1911, Albert-Weisgerber-Stiftung St. Ingbert