Adolph Menzel • Notizblatt mit Kinderstudien

Adolph Menzel
Notizblatt mit Kinderstudien

um 1865

Bleistift und Aquarell auf Papier
12,5 x 18,3 cm
Links unten Nachlass-Stempel

Provenienz:
Nachlass des Künstlers
Kunsthandel Julius Böhler, München

Diese kleine Skizzenblock-Seite nutzte Adolph Menzel recto und verso als Abstrichpapier für Farbproben während der Arbeit an einem Aquarell, obwohl er das Blatt offensichtlich bereits für Skizzen gebraucht hatte. Die fast übermalten Bleistiftstudien zeigen nach Ansicht von Claude Keisch die kleinen Kinder seiner Schwester Emilie und seines Schwagers Hermann Krigar, die Nichte Margarethe und den Neffen Krigar-Menzel, geboren 1860 und 1861.

Auf der Rückseite dieser Studie findet sich ebenfalls eine Bleistiftskizze aus dem häuslichen Umfeld des Künstlers, ein Arm und Hände mit Nadel und Faden.
Ein vergleichbar übermaltes Studienblatt aus den frühen 1860iger Jahren befindet sich im Kupferstichkabinett zu Berlin, in diesem Fall sogar mit einem verworfenen Selbstportrait in der Pose des friderizianischen Hofmalers Antoine Pesne.

Price on request


BIOGRAPHY

Adolph Menzel
1815 Breslau - 1905 Berlin

Der Berliner Grafiker, Zeichner und Maler Adolph Menzel erfreute sich bereits zu Lebzeiten höchster Wertschätzung. Namhafte Kollegen und einflussreiche Kritiker zollten ihm Respekt, Einzelausstellungen in bedeutenden Museen, Galerien und Kunstvereinen mehrten stetig seinen Ruhm und auch von staatlicher Seite wurde ihm durch die Erhebung in den persönlichen Adelsstand größtmögliche Ehre zuteil. Menzels glanzvolle Karriere fand ihren krönenden Abschluss, als die Berliner Nationalgalerie kurz nach seinem Tod eine umfassende Gedenkausstellung zeigte und im Jahr darauf seinen Nachlass erwarb. Schon in den vorangegangenen Jahrzehnten hatte sie sich Schlüsselwerke seines Schaffens gesichert und gab ihm nun einen dauerhaften Platz im Kanon der deutschen Kunst des 19. Jahrhunderts.

Obwohl Menzel unbestritten als der wichtigste Vertreter des deutschen Realismus gilt, greift diese kunsthistorische Einordnung zu kurz. Sein im Verlauf von sieben Jahrzehnten entstandenes malerisches Werk, in dem sich sowohl Ansätze des Impressionismus (Das Balkonzimmer 1845, Nationalgalerie Berlin), als auch historische Genreszenen (Das Flötenkonzert 1855, Nationalgalerie Berlin) oder Schilderungen aus dem modernen Industriezeitalter finden (Das Eisenwalzwerk 1875, Nationalgalerie Berlin), ist schlicht zu umfangreich und vielseitig. Nicht anders verhält es sich mit Menzels zeichnerischem Oeuvre.

Im Gegensatz zu vielen Zeitgenossen erachtete Menzel das Zeichnen nicht als bloßes Anlegen eines Motivvorrats, der zu einem späteren Zeitpunkt der Malerei dienlich sein sollte. Für ihn war es ein autonomer künstlerischer Akt. Der Freund und Weggefährte Paul Meyerheim berichtet in seinen Erinnerungen an Menzel: „In seinem Paletot hatte er acht Taschen, die teilweise mit Skizzenbüchern gefüllt waren, und er konnte es nicht begreifen, dass es Künstler gebe, die den kleinsten Ausgang machen, ohne ein Zeichenbuch in der Tasche zu haben.“ Und an anderer Stelle: „Kein Gegenstand war ihm je zu gering, und er zeichnete, wo er ging und stand, mit geradezu krankhaftem Eifer.“ Diese Arbeitsgewohnheit erklärt den überwältigenden Umfang sowie die technische Virtuosität von Menzels zeichnerischem Werk. Darüber hinaus zeugt dessen immense motivische Bandbreite vom unablässigen Bestreben, die Welt bis ins kleinste Detail zu erfassen, um sie auf diese Weise künstlerisch zu verinnerlichen. Dass es Menzel dabei gelang, eine allgemeingültige Form für das Subjektive zu finden, erklärt die bis heute ungebrochen hohe Faszination seiner Zeichnungen.

Menzel, Adolph (1815 Breslau - 1905 Berlin)
Unbekannter Fotograf: Adolph Menzel am Sekretär, um 1900

MORE ARTWORK BY THIS ARTIST

Adolph Menzel
The River Fulda near Kassel
Price on request
Details
Adolph Menzel
Frontal View of a Bearded Man
Price on request
Details
Adolph Menzel
Dame mit Hut
Price on request
Details
Adolph Menzel
Bearded Man Seen from the Rear
Sold  
Details