Friedrich Stahl • A Walk in the Park

Friedrich Stahl
A Walk in the Park

c.1910

Gouache on paper
20 : 17 cm
Signed lower right

 


BIOGRAPHY

Friedrich Stahl
1863 Munich - 1940 Rome

Nach Abschluss seines Studiums an der Akademie der bildenden Künste in München zieht Friedrich Stahl 1888 nach Berlin. Aus Protest gegen die Ausstellungspolitik im offiziellen Kunstbetrieb gründet er dort zusammen mit Ludwig von Hofmann, Walter Leistikow und acht weiteren Kollegen die „Vereinigung der XI“. Die von 1892 bis 1898 bestehende Organisation wird durch ihre juryfreien Verkaufsausstellungen schnell bekannt und entwickelt sich zum Vorläufer der Berliner Secession.

Das moderne Leben in der Reichshauptstadt übt eine ungemeine Faszination auf Stahl aus. Im Gegensatz zu alteingesessenen Berliner Künstlern wie Adolph Menzel oder Franz Skarbina, die sich ebenfalls intensiv mit diesem Thema auseinandersetzen, interessiert er sich kaum für das Milieu der einfachen Leute. Stattdessen gibt Stahl, der sowohl über illustratives Talent als auch ironisches Feingefühl verfügt, bevorzugt den scheinbar sorglosen Alltag der bürgerlich-aristokratischen Oberschicht wieder. Das Motivspektrum reicht vom bunten Treiben auf den Boulevards und Plätzen der Metropole bis zu intimen Stelldicheins auf Soireen und Bällen, wo sich die elegante Gesellschaft bei Konversation, Flirt und Tanz die Zeit vertreibt. Um die Flüchtigkeit des Augenblicks einzufangen und den Eindruck von Leichtigkeit zu erzeugen, hält Stahl seine Beobachtungen meist als Grisaillen bzw. Gouachen in impressionistischer Manier fest. Zwischen 1899 und 1918 veröffentlicht die humoristische Münchner Wochenschrift „Fliegende Blätter“ rund 350 dieser Werke, die eine anschauliche Vorstellung vom Lebensgefühl und Zeitgeist der deutschen Belle Epoque geben.

Von 1898 bis 1904 lebt Stahl überwiegend in England. Dort beschäftigt er sich eingehend mit der Kunst der Präraffaeliten, die sich wiederum auf die Malerei der italienischen Frührenaissance bezieht. Die Suche nach dem Ursprung führt Stahl von 1904 bis 1913 nach Florenz. In diesem Zeitraum vollzieht sich ein radikaler Wandel in seinem Ouevre, das von nun an sowohl stilistisch als auch thematisch ganz unter dem Eindruck des Quattrocento steht. An die Stelle heiterer Alltagsszenen des Fin-de-siècle treten streng komponierte und in altmeisterlicher Lasurtechnik ausgeführte Bilder religiösen, mythologischen und literarischen Inhalts, aus denen stets leise Trauer um die Schönheit einer vergangenen Zeit zu sprechen scheint. Obwohl die Werke eigentümlich anachronistisch anmuten, erntet der Künstler für seine mystisch-verträumten Szenen überwiegend positives Lob von der Kritik. Nachdem Stahl von 1913 bis 1920 wieder in München lebt, verbringt er die beiden letzten Jahrzehnte seines Lebens in Rom, wo ihm anlässlich seines 75. Geburtstags die Ehre einer großen Retrospektivausstellung zuteilwird.


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