Hans Lietzmann • Blick über den Gardasee

Hans Lietzmann
Blick über den Gardasee

1913

Gouache auf Karton
39,5 x 56 cm
Links unten signiert und datiert

Preis auf Anfrage


BIOGRAFIE

Hans Lietzmann
1872 Berlin - 1955 Torbole am Gardasee

Nach dem Studium der Malerei an den Kunstakademien in Berlin und München zieht Hans Lietzmann 1899 nach Torbole. Das am nördlichen Ufer des Gardasees gelegene Fischerdorf ist ihm seit seiner Jugend bekannt und zu dieser Zeit vor allem bei deutschsprachigen Künstlern beliebt. Etwas außerhalb von Torbole erwirbt Lietzmann einen kleinen Olivenhain. Dort erbaut er sich sein Café Paradiso genanntes Wohn- und Atelierhaus, in dem er zugleich eine private Schule für Akt- und Landschaftsmalerei unterhält.

Die Erfassung der alpin-mediterranen Landschaft rund um den Gardasee steht im Mittelpunkt von Lietzmanns Schaffen. Schroffe Gebirgsformationen, felsige Uferpartien und die eher karge als üppige Vegetation gehören zu den bevorzugten Sujets des Künstlers. Dadurch entgeht er zugleich der Gefahr, in die Nähe lieblicher Stimmungsmalerei zu geraten. Auch wirken seine Bildausschnitte mehr spontan als komponiert. Stilistisch bewegt sich Lietzmann, der hauptsächlich plein air in der freien Natur arbeitet, zwischen Realismus und Impressionismus. Ausgehend von dem Anspruch einer wirklichkeitsgetreuen Wiedergabe des Motivs strebt er nach der Erfassung der spezifischen Atmosphäre in Abhängigkeit der jeweiligen Tages- und Jahreszeit. Die Authentizität seiner Gemälde und Gouachen beruht vor allem auf deren lockerem Pinselduktus, subtilen Licht-Schatten-Spielen sowie raffinierten Farbkontrasten, die ihnen zugleich besondere Lebendigkeit verleihen.

Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges reißt die glücklichste Phase in Lietzmanns Leben und Kunst jäh ab. Seinen Militärdienst leistet er als Kriegszeichner an der französischen Front. Bei seiner Rückkehr nach Torbole muss der Künstler feststellen, dass sein Haus durch Kampfhandlungen völlig zerstört worden ist. Kurz darauf wird Lietzmann von der neuen faschistischen Regierung Italiens – wie alle Staatsangehörigen der ehemaligen Kriegsgegner – enteignet. Nichtsdestoweniger bleibt der nunmehr mittellose, aber von der einheimischen Bevölkerung geachtete Künstler in Torbole, wo er für die nächsten drei Jahrzehnte ein bescheidenes und zurückgezogenes Leben führt.

Lietzmann, Hans (1872 Berlin - 1955 Torbole am Gardasee)
Hans Lietzmann: Selbstbildnis, 1944

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