Otto Dix • Leonie

Otto Dix
Leonie

1923

Farblithographie auf Bütten
47,5 x 37,5 cm
Rechts unten signiert
Exemplar 40/65

Literatur:
Florian Karsch (Hrsg.): Otto Dix. Das graphische Werk, Hannover 1970, Kat. Nr. 58 III b, Abb. Seite 8

Preis auf Anfrage


BIOGRAFIE

Otto Dix
1891 Gera - 1969 Singen

Nach der Ausbildung zum Dekorationsmaler besucht Otto Dix ab 1910 die Kunstgewerbeschule in Dresden. Dank ihrer weltberühmten Gemäldegalerie sowie avantgardistischen Kunstszene zählt die sächsische Residenzstadt zu den führenden Kunstmetropolen Deutschlands vor dem Ersten Weltkrieg. Dix‘ stilistisch wie thematisch breit gefächertes Frühwerk verrät die intensive Auseinandersetzung sowohl mit den Alten Meistern als auch aktuellen Kunstströmungen, wobei Albrecht Dürer und Lucas Cranach, Max Klinger und Vincent van Gogh sowie Edvard Munch und Ludwig Meidner zu den wichtigsten Impulsgebern zählen.

Dix‘ Studium an der Kunstgewerbeschule wird durch den Ausbruch des Ersten Weltkrieges 1914 jäh unterbrochen. Nach einer militärischen Grundausbildung meldet er sich 1915 freiwillig zum Dienst an der Waffe und wird die kommenden drei Jahre ohne Unterbrechung an vorderster Front kämpfen. Im Gegensatz zu vielen anderen Künstlern zerbricht er nicht an der unvorstellbaren Grausamkeit des industrialisierten Massenmordens, sondern empfindet den Krieg als existenzielles Naturereignis, das ihn in einen wahren Schaffensrausch versetzt. In hunderten von Zeichnungen und Aquarellen hält Dix seine Beobachtungen und Erlebnisse in den Schützengräben und Unterständen fest. Seine im Feld entstandenen Werke reichen von realistischer Selbstvergewisserung bis zu abstrakten Endzeitvisionen und durchschreiten die gesamte Bandbreite künstlerischer Gestaltungsmöglichkeiten der Moderne. Noch viele Jahre nach 1918 wird der Krieg ein bestimmendes Thema in Dix‘ Schaffen sein.

1919 kehrt Dix nach Dresden zurück und erhält als Meisterschüler der Kunstakademie ein eigenes Atelier. Der stets mit den Prinzipien von Adaption und Transformation arbeitende Künstler experimentiert mit expressionistischen, kubistischen und futuristischen Elementen und erregt dadurch bei alten wie jungen Künstlerkollegen Aufsehen. Durch seinen Freund Conrad Felixmüller wird er in die Technik der Radierung und Lithographie eingeführt und schon bald zu einem Meister der Druckgrafik. Sie verschafft Dix‘ Motiven weite Verbreitung und sichert ihm ein laufendes Einkommen. Im Zuge der Ersten Internationalen Dada-Messe in Berlin freundet sich Dix 1920 mit George Grosz und John Heartfield an, die neben ihm zu den engagiertesten gesellschaftskritischen Künstlern der Weimarer Republik avancieren. Kurz darauf bricht Dix mit den modernistischen Kunstströmungen. An ihre Stelle tritt ein sich an der altdeutschen Malerei orientierender Realismus, den der Künstler bis zum Anbruch des Dritten Reichs zur schonungslosen Offenlegung sozialer Verwerfungen und Missstände einsetzen wird.

Aufgrund des fortwährenden Aufgreifens tabuisierter Themen und der Radikalität ihrer Darstellung gilt Dix bald als Bürgerschreck ersten Ranges und kommt wiederholt mit der Obrigkeit in Konflikt. Egal ob in Dresden, Düsseldorf, Berlin oder wieder in Dresden, an allen seinen Wohnorten während der Weimarer Republik eckt der Künstler mit seinen detailversessenen Bildern vom Elend der Prostituierten, Kriegskrüppel und Proletarier an. Dass seine psychologisch feinsinnigen Porträts zudem ein nur wenig schmeichelhaftes Menschenbild entwerfen, entschärft die Situation kaum. Dix hat jedoch auch eine ungemeine Lust am Grotesken, streift oft die Grenzen der Karikatur und mildert damit zumindest teilweise die polemische Schärfe seiner Werke ab. Manch satirischer Akzent lässt seine Arbeiten damit nicht nur zum Spiegel, sondern auch zum Kommentar der geschilderten Verhältnisse werden. Dies überzeugt einflussreiche Galeristen wie Johanna Ey in Düsseldorf und Karl Nierendorf in Berlin sich bei Sammlern und Museen für sein Werk einzusetzen und es als eine der wichtigsten Leistungen der Neuen Sachlichkeit zu etablieren.

Dass Dix in seiner alten Wahlheimat neben einer Reihe von Gegnern auch entschiedene Befürworter hat, zeigt sich 1926, als er zum Professor an der Dresdner Kunstakademie ernannt wird. Doch bereits das Jahr 1933 markiert eine Zäsur im Leben und Schaffen des Künstlers. Wenige Monate nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wird er seines Amtes enthoben, es folgen Ausstellungsverbot und die Entfernung seiner als entartet gebrandmarkten Werke aus deutschen Museen. Über seine Situation macht sich der Künstler keine Illusionen und zieht noch im Sommer 1933 an den Bodensee, wo er bis zum Untergang des Dritten Reichs 1945 zurückgezogen lebt und sich fast ausschließlich auf politisch unverdächtige Landschaften sowie religiöse und mythologische Themen konzentriert. Nach dem Zweiten Weltkrieg bricht Dix mit der realistischen Malweise und wendet sich der spontaneren alla prima Malerei zu. Sie ermöglicht ihm noch einmal einen künstlerischen Neuanfang.


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