Josse Goossens • In der Teestube

Josse Goossens
In der Teestube

1911

Öl auf Leinwand
69 x 68 cm
Mittig unten signiert und datiert
Verso Etikett mit dem Aufdruck „Kunstpalast Düsseldorf 426“

Ausstellungen:
- Brakls Moderne Kunsthandlung 1912
- Große Kunstausstellung Düsseldorf 1911 oder 1913

Literatur:
W. Frank: Josse Goossens – München. Ausstellung in Brakls Moderner Kunsthandlung. In: Deutsche Kunst und Dekoration. Band XXIX, Seite 298f (Abbildung auf Seite 299)

Preis auf Anfrage


BIOGRAFIE

Josse Goossens
(1876 Aachen – 1929 Regensburg)

Bereits als Student der Düsseldorfer Akademie zeigt Josse Goossens große Affinität zur Monumentalmalerei und macht sich auf diesem Gebiet innerhalb kurzer Zeit einen Namen. Seine für öffentliche wie private Auftraggeber ausgeführten Wandgemälde haben meist religiöse oder historische Inhalte, zeichnen sich durch flächig angelegte Kompositionen aus und lassen ein ausgeprägtes Gespür für dekorative Wirkung erkennen. Letzteres kommt auch in Goossens Staffeleibildern zum Tragen, die ab der Jahrhundertwende direkt vor der Natur bzw. auf Grundlage von Freilichtstudien entstehen.

1910 zieht Goossens von Düsseldorf nach München. Ab diesem Zeitpunkt spezialisiert er sich auf Stillleben und Interieurs, zudem auf Motive mit Bezug zu seiner neuen bayerischen Heimat. Dabei wählt der Künstler meist heiter beschwingte Momente aus dem Alltagsleben unterschiedlicher Bevölkerungsschichten. Während Kirchprozessionen, Rummelplätze und Zirkusvorstellungen die Vergnügungen der einfachen Leute schildern, geben Teekonzerte, Kaffeehausszenen und Kostümbälle einen Eindruck vom Lebensstil der gehobenen Gesellschaft. Der besondere Reiz dieser Werke liegt nicht nur im Motiv, sondern auch in der Malweise. Pastos setzt Goossens leuchtend bunte Farben nebeneinander, verleiht der Komposition durch breite Striche eine mosaikhaft-flirrende Wirkung und bringt die Oberfläche mit flottem Duktus zum Vibrieren. Hierdurch entsteht eine optische Lockerheit, bei der das Gegenständliche zugunsten des Atmosphärischen in den Hintergrund tritt.

Mit seinen vom Spätimpressionismus beeinflussten Gemälden steht Goossens der Künstlergruppe Die Scholle nahe, was nicht zuletzt seine schnelle Etablierung im Münchner Kunstbetrieb erklärt. Ab 1911 werden seine Werke in der Zeitschrift Jugend publiziert, in den jährlichen Ausstellungen der Münchener Secession gezeigt und vom renommierten Kunsthändler Franz Josef Brakl vertreten. Noch heute vermitteln Goossens Szenen vom Treiben auf der Auer Dult und dem Oktoberfest, aus der Manege des Zirkus Krone und dem Festsaal des Deutschen Theaters sowie vom Nymphenburger Magdalenenfest und Ausstellungspark auf der Theresienhöhe einen stimmungsvollen Eindruck vom unbeschwerten Lebensgefühl der Prinzregentenzeit.

Goossens, Josse ((1876 Aachen – 1929 Regensburg))
Josse Goossens: Selbstbildnis in blauer Jacke, 1916