Hans Reinhold Lichtenberger • Auftritt der Tänzerin Loïe Fuller im Deutschen Theater

Hans Reinhold Lichtenberger
Auftritt der Tänzerin Loïe Fuller im Deutschen Theater

1910

Gouache auf Papier
22,5 x 21 cm
Rechts unten signiert und datiert

Provenienz:
Nachlass Hans Reinhold Lichtenberger
Privatsammlung

5.800 €


BIOGRAFIE

Hans Reinhold Lichtenberger
1876 Berlin - 1957 München

Nach einem angefangenen Architekturstudium zieht Hans Reinhold Lichtenberger 1897 von Berlin nach München, wo er für mehrere Jahre die private Malschule von Heinrich Knirr besucht. Dort freundet er sich mit Paul Klee an und auch sonst knüpft Lichtenberger, der ab 1901 mit Erfolg in der Münchner Secession ausstellt und von etablierten Künstlerkollegen wie Lovis Corinth enthusiastisch als Nachwuchstalent gelobt wird, rasch Kontakte zu Schwabinger Künstlerkreisen. Zu seinen Nachbarn in der Giselastrasse, in der er bis zu seinem Lebensende ein Atelier unterhält, zählen unter anderem Alexej von Jawlenksy und Marianne von Werefkin. Letztere schwärmt vom Kolorit seiner Werke und Alfred Kubin schreibt ihm verzückt: „Du hast eine eigene und wunderbare Art, das Festliche im Leben zu sehen,… das Blumenhafte, schimmernd Graziöse im Zauber des Lichts, magisch lockend, wie es nur ein unverbildetes, enorm sehnsüchtiges Auge schauen und nur eine erfahrene Meisterhand gestalten kann.“

Bereits als Schüler begeistert sich Lichtenberger für Opern-, Theater- und Varietévorstellungen. Am meisten fasziniert ihn die Welt des Balletts, die früh zum zentralen Thema seines Schaffens wird. Mit großem Einfühlungsvermögen schildert Lichtenberger in lockeren Skizzen, zarten Aquarellen und leuchtenden Gouachen die grazilen Körper, anmutigen Gesten sowie raffinierten Choreographien der Ballerinas und ihrer Begleiter. Der besondere Reiz seiner Werke liegt einerseits in der subtilen Erfassung des Flüchtig-Spezifischen, andererseits in der impressionistisch aufgelösten Wiedergabe des Wechselspiels von Hell und Dunkel, wie es für künstlich beleuchtete Bühnenräume typisch ist.
Wie ein Kontrapunkt hierzu erscheinen die expressiven Darbietungen der Amerikanerin Loie Fuller, der Spanierin La Belle Otéro und der Russin Anna Pawlowa, die um 1900 zusammen mit anderen internationalen Bühnenstars auch in Deutschland die Tanzkunst revolutionieren. Wann immer sich Lichtenberger die Möglichkeit bietet, wohnt er ihren Auftritten im Berliner Wintergarten bzw. im Deutschen Theater in München bei und hält seine Eindrücke fest.
Daneben haben architektonische und genrehafte Sujets einen festen Platz in Lichtenbergers Oeuvre. Meist wählt der Künstler typische Motive seiner Wahlheimat München, beispielsweise die elegante Ludwigstrasse, sonntägliche Spaziergänger im Englischen Garten oder das bunte Treiben auf dem Oktoberfest.

Als Mitbegründer der Münchner Neuen Sezession, Professor an der Münchner Akademie der bildenden Künste und Mitglied der Neuen Gruppe München ist Lichtenberger innerhalb der Münchner Kunstszene der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts eine gleichermaßen bekannte wie angesehene Persönlichkeit. Die Wertschätzung seines Schaffens spiegelt sich in Einzelausstellungen der renommierten Galerien Heinemann und Günther Franke sowie dem Kunstverein München wieder. Ebenso finden sich Lichtenbergers Werke in nahezu allen wichtigen öffentlichen Sammlungen der Stadt München.


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