Hermann-Paul (d.i. Hermann René Georges Paul) • Der Klavierspieler

Hermann-Paul (d.i. Hermann René Georges Paul)
Der Klavierspieler

um 1900

Öl auf Leinwand
38 x 46 cm
Links unten signiert

Provenienz:
Maurus Bluté
Privatbesitz, England

 


BIOGRAFIE

Hermann-Paul (d.i. Hermann René Georges Paul)
1864 Paris - 1940 Saintes-Maries-de-la-Mer

Ende des 19. Jahrhunderts zieht die für ihre liberalen Lehrmethoden bekannte Pariser Académie Julian hunderte von Kunststudenten aus ganz Europa an. Unter ihnen befinden sich viele später wichtige Vertreter der Avantgarde, wie beispielsweise Felix Vallotton, Pierre Bonnard und Édouard Vuillard, die als Mitglieder der 1888 gegründeten Künstlergruppe „Nabis“ (zu Deutsch „Die Propheten“) für die Durchsetzung des Postimpressionismus kämpfen. Einer ihrer Kommilitonen ist der sich Hermann-Paul nennende Druckgrafiker, Zeichner und Maler Hermann René Georges Paul. Obwohl er nicht im engeren Sinne zu ihrem Kreis zählt, greift er viele ihrer künstlerischen Ansätze auf und entwickelt daraus eine gleichermaßen eigenständige wie originelle Bildsprache.

Neben den „Nabis“ ist Henri de Toulouse-Lautrec, der in den 1890er Jahren die Kunst der Lithografie technisch und ästhetisch revolutioniert, eine wichtige Inspirationsquelle für Hermann-Paul. In Ermangelung schriftlicher Quellen muss offen bleiben, ob es zu einem persönlichen Austausch zwischen den beiden gekommen ist oder nicht. Dafür spricht in jedem Fall, dass ihre Druckgrafiken häufig von denselben Verlegern publiziert wurden, sie über Jahre hinweg Mitarbeiter derselben illustrierten Zeitschriften waren und sie sich mit ihren Werken an denselben Ausstellungen beteiligten.

Ein hervorstechendes Charakteristikum von Hermann-Pauls Schaffen ist die Vorliebe für komische Effekte, die es in die Nähe der Karikatur rücken. Aus vielen seiner Werke spricht eine unverhohlene Freude an der Offenlegung menschlicher Schwächen, Eitelkeiten und Begierden. Dabei ist es unerheblich, ob die Protagonisten den unteren sozialen Klassen, dem wohlhabenden Bürgertum oder der dekadenten Oberschicht angehören. Hermann-Paul verstärkt die humoristische bzw. satirische Note seiner die Abgründe der menschlichen Seele beleuchtenden Milieustudien, indem er sich einer der Plakatkunst annähernden Bildsprache bedient. Typisch sind ungewöhnliche Perspektiven, ausschnitthafte Nahsichtigkeit sowie grelle Farbtöne.

Hermann-Pauls Oeuvre bietet eine entidealisierte und zugleich ironische Sicht auf das Lebensgefühl der Belle Epoque. Dabei besticht es durch die Erprobung neuer künstlerischer Ausdrucksmittel und -formen. Umso bedauerlicher ist es, dass Hermann-Pauls Biografie weitgehend im Dunkeln liegt. Damit teilt er das Schicksal vieler Talente, deren Spuren sich in der überaus vielseitigen wie schnelllebigen Kunstszene des Paris des Fin de Siècle verlieren.