Louis Anquetin • Le déjeuner à Bourgueil (Réunion d’amis à Bourgueil)

Louis Anquetin
Le déjeuner à Bourgueil (Réunion d’amis à Bourgueil)

um 1893

Öl auf Leinwand
90 x 125,5 cm

Ausstellung:
Musée Cantonal des Beaux-Arts, Lausanne (rückseitiger Aufkleber)

Provenienz:
Libaude Louis, Paris (vom Künstler erworben)
Auktion, Hôtel Drouot, Paris, 23.12.1960, Los 150
Samuel Josefowitz, Lausanne, London, New York

Bemerkung:
Diese Arbeit wird in das von der Galerie Brame & Lorenceau in Vorbereitung befindliche Werkverzeichnis aufgenommen.

Preis auf Anfrage


BIOGRAFIE

Louis Anquetin
(1861 Étrépagny (Haute-Normandie) - 1932 Paris)

Louis Anquetin wächst als Kind einer wohlhabenden Familie von Pferdehändlern und Metzgermeistern in Rouen auf. Von dort geht er 1882 nach Paris, wo er in das Atelier von Léon Bonnat eintritt und sich mit Henri de Toulouse-Lautrec sowie Émile Bernard anfreundet. Kurz darauf wechseln die drei in die private Malschule von Fernand Cormon. Da sie mit dessen am Realismus orientierter Kunstauffassung nur wenig anfangen können, suchen sie nach neuen Wegen in der Malerei, wobei dem experimentierfreudigen Anquetin eine maßgebliche Rolle zukommt. Über die Auseinandersetzung mit dem Impressionismus und Pointillismus entwickelt er zusammen mit Bernard die Technik des Cloisonismus, der sich durch die Dominanz starker Umrisslinien, den Einsatz ungebrochener Farben sowie die Flächigkeit der Perspektive auszeichnet. Mit diesem avantgardistischen Stil erregen sie großes Aufsehen innerhalb der Pariser Kunstszene und geben nicht zuletzt Vincent van Gogh sowie Paul Gauguin wichtige Impulse.

Wie viele seiner Freunde ist Anquetin Teil der Bohème rund um das Künstlerviertel Montmartre. Wenn er nicht gerade Porträts, Aktfiguren oder Straßenszenen malt, verbringt er seine Zeit am liebsten mit Toulouse-Lautrec, der ihn auf seinen nächtlichen Streifzügen durch die Cafés, Cabarets und Tanzlokale begleitet. Zwischen dem unternehmungslustigen Naturburschen und dem kurzwüchsigen Aristokraten besteht eine enge Verbindung, die neben der Bewunderung für das Schaffen des jeweils anderen auf der gemeinsamen Passion für Frauen und Pferde basiert.

Anquetins zwangloser Lebensstil ändert sich, als seine Mutter 1889 stirbt. Mit der Erbschaft richtet er sich ein repräsentatives Atelier in bester Lage ein und sucht verstärkt Kontakt zu den besseren Kreisen der Pariser Gesellschaft. Damit entfremdet sich der Künstler – mit Ausnahme von Toulouse-Lautrec – allmählich von seinen bisherigen Freunden. Zudem verlagert er die Wahl seiner Motive, die er nun vornehmlich auf der Rennbahn findet. Zu Beginn der 1890er Jahre arbeitet Anquetin abermals in einem neuen, seiner Zeit vorauseilenden expressiven Stil, in dem er sich intensiv mit den großen französischen Meistern des 19. Jahrhunderts wie Honoré Daumier, Gustave Courbet oder Edouard Manet auseinandersetzt. Wenig später vollzieht der Künstler zum Erstaunen der Kunstwelt schließlich eine Wandlung, die sich kaum mit seiner bisherigen Entwicklung in Einklang bringen lässt. Die Hinwendung zu den Alten Meistern, allen voran zu Peter Paul Rubens, bedeutet einen gleichermaßen radikalen wie nachhaltigen Bruch in seinem Schaffen, zumal er der einmal eingeschlagenen Richtung bis zu seinem Lebensende folgen wird. Dieser Anachronismus erklärt das allmähliche Verblassen von Anquetins Ruhm, der Ende des 19. Jahrhunderts zu den vielversprechendsten Künstlern seiner Zeit zählte.