Wilhelm Gallhof • Vor dem Spiegel

Wilhelm Gallhof
Vor dem Spiegel

um 1910

Öl auf Leinwand
63 x 43 cm
Rechts unten signiert

Ausstellung:
Brakls Moderne Kunsthandlung: Wilhelm Gallhof, 1910, Nr. 3, Seite 8

In der Zeitschrift "Die Kunst für alle" (Band 26 1910-1911, Seite 118) wurde Gallhofs Ausstellung in Brakls Moderner Kunsthandlung wie folgt besprochen: „W. Gallhof ist der andere Weimarer; bei Brakl zeigt er uns in einer ersten Kollektivausstellung sein Werk, das turbulent genug ist, aber in einer energischen, kaum bezähmbaren malerischen Kraft, die es kündet, ein ähnlich starkes Temperament vermuten läßt, wie es in Corinth und Slevogt steckt. Gallhofs Thema ist das Weib, nicht das minniglich-sittige, nicht die „teutsche frowe“, sondern die Rassige, Heiße, die Bestie.“

Preis auf Anfrage


BIOGRAFIE

Wilhelm Gallhof
1878 Iserlohn - 1918 (gefallen)

Nach Studienaufenthalten an den Kunstakademien in München und Karlsruhe zieht Wilhelm Gallhof nach Berlin. Dort nimmt er privaten Malunterricht bei Lovis Corinth, der zusammen mit Max Liebermann und Max Slevogt das „Dreigestirn des deutschen Impressionismus“ (Paul Cassirer) bildet. Wie nachhaltig Corinths zupackend-vitale Malweise Gallhof prägt, belegt dessen einige Jahre später entstandenes Hauptwerk „Die Versuchung des Ritters“ (Berlinische Galerie, Berlin). Mit diesem in Lebensgröße angelegten Akt- und Figurenstück beweist der Künstler sowohl sein kompositorisches Geschick als auch seine Meisterschaft in der Behandlung des Stofflichen. Typisch für Gallhofs Kunstauffassung ist zudem die Lust an der eleganten Pikanterie.

Von Berlin aus zieht Gallhof nach Weimar. Seit Johann Wolfgang von Goethe gilt die thüringische Residenzstadt als Hochburg des deutschen Geistes- und Kulturlebens, die durch das Wirken visionärer Künstler und Kunstförderer wie Henry van de Velde oder Harry Graf Kessler um 1900 neue Impulse erhält. Eine Einzelausstellung von Gallhofs Werken im Großherzoglichen Museum für Kunst und Kunstgewerbe spiegelt die Akzeptanz des Künstlers in der lokalen Kunstszene, doch drängt es den jungen Maler bald schon zu wiederholten Studienaufenthalten nach Paris. Wie viele junge Künstler aus Deutschland taucht Gallhof dort in die Welt der Cafés und Etablissements am Montmarte ein, genießt das ungezwungene Leben der Bohème und sucht in Europas unangefochtener Kunstmetropole nach neuer Inspiration. Wenig später erregt er mit den in Paris entstandenen Werken in der Münchner Secession, im Darmstädter Künstlerbund sowie in der Modernen Kunsthandlung von Franz Josef Brakl die Aufmerksamkeit weiter Kreise.

Obwohl sich in Gallhofs Oeuvre auch Porträts, Stillleben und Landschaften finden, ist es vor allem die weibliche Figur, der sein Hauptinteresse gilt. In einem Brief schreibt er: „Ich liebe das Gezähmte nicht, ich liebe die wilde Gesundheit, die jenseits von Gut und Böse ist und viel Lust und Sensation aus dem Leben schlagen will.“ Dieses Ideal sucht der Künstler nicht nur in Gestalt des Aktes, sondern auch in zahlreichen Kostüm-, Theater- und Boudoirszenen. Deren virtuose Malweise und leuchtendes Kolorit zeugen von Gallhofs ungemeinem Temperament, welches immer wieder in zeitgenössischen Artikeln, Katalogen und Rezensionen hervorgehoben und nicht selten in einem Atemzug mit dem seines Lehrers Corinth genannt wird. Umso bedauerlicher ist es, dass der als Soldat eingezogene Maler nicht mehr aus dem Ersten Weltkrieg zurückkehrt, um seine glanzvoll begonnene Karriere fortführen zu können.