Heinrich Kley • Zeppelins Schatten

Heinrich Kley
Zeppelins Schatten

1908

Tusche, Gouache, Bleistift und Deckweiß
36 x 32 cm
Rechts unten signiert

Veröffentlicht:
Simplicissimus. Jahrgang 13 (1908), Heft 33, Seite 546

Ausstellung:
Heinrich Kley 1863-1945. Meister der Zeichenfeder im Kontext seiner Zeit. Museum Villa Stuck München und Wilhelm-Busch-Museum Hannover 2011, Seite 123

Neben der wachsenden Flottenstärke des Deutschen Kaiserreichs beobachtete man in England mit zunehmender Sorge auch den Bau von Zeppelinen. Die nach ihrem Erfinder benannten Luftschiffe waren zunächst nur für die zivile Nutzung vorgesehen, wurden ab 1909 aber auch für militärische Zwecke eingesetzt.

Heinrich Kley nimmt die englischen Ängste auf und führt sie gleichsam ad absurdum. Von Alpträumen gequält, wälzt sich König Eduard VII in seinem Bett, wobei der Schatten eines Zeppelins die Ursache seiner Unruhe ist. Lautlos, übermächtig und scheinbar unangreifbar schwebt das sich von Deutschland her nähernde Luftschiff über ihm und bohrt sich wie ein Torpedo ins Zentrum des britischen Inselreichs.

Tatsächlich kamen zu Beginn des Ersten Weltkrieges deutsche Zeppeline im Kampf gegen England zum Einsatz. Aufgrund ihrer geringen Geschwindigkeit waren sie jedoch leichte Ziele für die britische Luftabwehr und wurden deshalb in ihrer vermeintlichen Bedrohlichkeit weit überschätzt.

6.500 €


BIOGRAFIE

Heinrich Kley
1863 Karlsruhe - 1945 München

Nach Beendigung des Studiums an der Karlsruher Kunstschule 1885 ist Heinrich Kley darum bemüht, sich im Kunstleben seiner badischen Heimatstadt zu etablieren. Zwar erhält er immer wieder Aufträge von ortsansässigen Privatpersonen, Behörden sowie Unternehmen, engagiert sich in der lokalen Künstlerschaft und nimmt an Ausstellungen teil, doch bleiben größere Erfolge letztlich aus.

Diese stellen sich erst nach 1900 ein, als das Unternehmen Krupp in Essen auf Kleys Fähigkeiten als Schilderer topographischer Sujets aufmerksam wird. Durch die Verbindung von zeichnerischer Präzision und koloristischem Feingefühl gelingt es ihm, die spezifischen atmosphärischen Stimmungen in der Welt der Gußstahlfabriken, Hüttenwerke und Schiffswerften einzufangen. Seine um impressionistische Elemente bereicherte realistische Kunstauffassung überzeugt bald auch andere große Unternehmen, so dass Kley innerhalb weniger Jahre den Ruf eines erstrangigen und vielbeschäftigten Industriemalers genießt.

Der breiten Öffentlichkeit wird Kley durch die Mitarbeit an den Zeitschriften Simplicissimus und Jugend bekannt, die ihn 1909 zum Umzug nach München bewegen. Bis zum Ersten Weltkrieg veröffentlichen sie hunderte seiner humoristischen, satirischen und grotesken Federzeichnungen. Themen der Gesellschaftspolitik, des technischen Fortschritts sowie des Verhältnisses zwischen Mann und Frau erfasst er mit phantasiereichen Bildideen, psychologischem Einfühlungsvermögen und unverwechselbarer Virtuosität. Mit gleicher Könnerschaft charakterisiert er menschliche Verhaltensweisen durch Mensch-Tier-Vergleiche pointiert und unterhaltsam.

Obwohl es nach dem Ersten Weltkrieg ruhig um den von Schicksalsschlägen getroffenen Künstler wird, erfahren seine Federzeichnungen eine erstaunliche Rezeption in den USA. In den späten 1930er Jahren wird Walt Disney auf sie aufmerksam und nutzt sie fortan als wichtige Inspirationsquelle für seine Zeichentrickfilme. So lebt Kleys Kunst in den Figuren von „Dumbo“, „Fantasia“ und „Dschungelbuch“ weiter und begeistert weltweit ein Millionenpublikum.

Kley, Heinrich (1863 Karlsruhe - 1945 München)
Heinrich Kley: Inspiration (Selbstbildnis), um 1910, Schweinfurt, Museum Georg Schäfer

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